2018-11-22 03:03

Ex-Axa-Kunstkurator soll tüchtig abkassiert haben

Winterthur

Ein früherer Axa-Mitarbeiter, der für die Kunstsammlung der Versicherung zuständig war, soll daraus 80 Werke verkauft und 850 000 Franken Erlös selber eingestrichen haben. Jetzt kommt er vor Gericht, wo ihm vier Jahre Gefängnis drohen.

Max Bills Plastik «Viereckfläche im Raum mit gleichen Seitenlängen» etwa wurde bei einer Auktion 2009 für 60 000 Franken verkauft.

Max Bills Plastik «Viereckfläche im Raum mit gleichen Seitenlängen» etwa wurde bei einer Auktion 2009 für 60 000 Franken verkauft.

(Bild: ABC-Verlag, Zürich)

Sein lukratives Kunstgeschäft betrieb der heute 51-jährige Deutsche von 2007 bis 2015, ein Jahr später wurde er verhaftet. Und nächste Woche nun steht er vor dem Bezirksgericht Winterthur. Die Anklage wirft ihm mehrfache Veruntreuung sowie gewerbsmässigen Diebstahl vor und verlangt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Im Gefängnis soll er zudem ambulant behandelt werden, weil er möglicherweise an einer psychischen Störung leidet.

Aus dem Kunstfundus der Axa hat der studierte Jurist unter anderem mehrere Bilder von Cuno Amiet verkauft, eines von Rolf Knie, einige von Franz Gertsch sowie eine Kleinplastik von Max Bill. Auch Werke von lokalen Künstlern stehen auf der Verkaufsliste, etwa von Rudolf Zender, Walter Kerker oder Henri Schmid. Der Gesamterlös, den er eingestrichen haben soll, beträgt laut Anklageschrift rund 850 000 Franken. Doch dabei blieb es nicht. Via Axa kam er offenbar auch in Kontakt mit dem Inter­nationalen Komitee des Roten Kreuzes. Auch aus der IKRK-Sammlung verkaufte der Mann vier Werke und behielt den Erlös von gut 100 000 Franken für sich.

Viele der Verkäufe liefen über einen Zürcher Kunsthändler, der keinen Verdacht schöpfte, weil er der Meinung war, die Axa habe den Mitarbeiter damit beauftragt, die Sammlung zu verkleinern.

Axa: «Vertrauen missbraucht»

Wie konnte der Mitarbeiter über Jahre unentdeckt bleiben? Er habe seine Position in einem sehr spezifischen Bereich ausgenutzt und das Vertrauen missbraucht, sagt ein Axa-Sprecher; und man bedaure die Vorfälle. Die Ver­untreuung sei «im Rahmen voninternen Kontrollen aufgedeckt» worden, worauf die Axa eine Strafanzeige einreichte und inzwischen auch die Kontrollmechanismen in diesem Bereich verstärkt habe. Die Axa-Kunstsammlung umfasst an die 1600 Werke mit einem Wert von knapp 8 Millionen Franken.

mgm