2017-06-01 06:15

Ein freundlicher Neubau für Krebspatienten

KSW

Das Kantonsspital hat für seine Radio-Onkologie einen Neubau erstellt. Medizinisch ändert sich nichts, aber das Umfeld der Strahlentherapie wird patientenfreundlicher.

Zwei Stockwerke über und zwei unter der Erde: Die Therapie im Neubau der Radio-Onkologie findet unter dem Boden statt. Zwei Höfe bringen Licht in die Warteräume. Im Behandlungsraum gibt es ein Deckenbild.

Zwei Stockwerke über und zwei unter der Erde: Die Therapie im Neubau der Radio-Onkologie findet unter dem Boden statt. Zwei Höfe bringen Licht in die Warteräume. Im Behandlungsraum gibt es ein Deckenbild.

(Bild: Madeleine Schoder)

  • Marc Leutenegger

Betritt man die neue Radio-Onkologie am KSW, könnte man sich auch in einem Businesshotel oder einem privaten Pflegeheim wähnen. Da sind wertige dunkle Holzböden, gelb gefärbter Sichtbeton und purpurfarbene Dekors an den Wänden. Über einen Bildschirm im Warteraum flimmern Ferienfotos von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Robben, Fjorde, Eisberge – Erinnerungen an die Fülle des Lebens oder Zerstreuung für die Krebspatienten. Durch grosse Fenster geht der Blick nach draussen in den Hof, wo sich die Fassade fortsetzt – als gäbe es eine ständige Verbindung ins Freie.

Glücklich über Auslagerung

Rund 22 Millionen Franken (ohne Einrichtungen) hat sich das KSW seinen Neubau kosten lassen. Seit Anfang Monat läuft der Betrieb auf vollen Touren. Das Geld für die Radio-Onkologie stammt aus dem Kredit des Projektes «Didymos». Ursprünglich hätte die Radio-Onkologie in den Ersatzneubau des Hochhauses integriert werden sollen. Doch dann erwies sich diese Variante mit aufwendigen Provisorien als zu teuer. Trotz des zusätzlichen Landverbrauchs entschied man sich für einen Neubau im Westen des Geländes, unweit der Kreuzung der Lindstrasse mit der Brunngasse.

Bild: Madeleine Schoder

Für Urs Meier, den Chefarzt der Radio-Onkologie, war dieser Entscheid ein «Glücksfall», wie er bei einer Besichtigung mit Medienvertretern sagt. Meier streicht vor allem die positive Wirkung des Neubaus auf Patienten heraus. Um die Strahlung abzuschirmen, werden die Behandlungsräume der Radio-Onkologie meistens im Erdreich platziert. Das ist auch beim Neubau des KSW so, zwei der vier Geschosse sind in den Boden eingelassen. Eine H-förmige Struktur des Hauses mit zwei grossen Höfen bringt aber viel Licht bis in den Warteraum im zweiten Untergeschoss.

Bild: Madeleine Schoder

Die massive Bauweise ist gut kaschiert. 3200 Kubikmeter Beton und 400 Tonnen Eisen wurden verbaut. Allein die Decke in den zwei Behandlungsräumen ist 1,8 Meter dick. Und sie wäre noch dicker, wäre sie nicht aus Barytbeton. Filigraner sind die beiden oberen Geschosse, wo sich die Besprechungsräume und Büros befinden. Die Betriebsabläufe haben laut Meier deutlich vom neuen Gebäude profitiert. War seine Abteilung zuvor auf drei Standorte im Spital verstreut, liege nun alles nah beieinander.

Das grösste Gerät am Markt

An den medizinischen Möglichkeiten hat sich dagegen nichts geändert. Einer der zwei Linearbeschleuniger – wie die Strahlentherapiegeräte heissen – wurde allerdings durch ein neues Gerät ersetzt. Ebenso der Computertomograf, mit dem vor der Bestrahlung ein exaktes Bild von der Lage des Tumors erstellt wird. Das KSW verfügt nun über das grösste zurzeit erhältliche Gerät, was laut Müller Aufnahmen in derselben Lage erlaubt, in der ein Patient später bestrahlt wird.

Rund 1000 Patienten in 20 000 Sitzungen pro Jahr wird das KSW in der Radio-Onkologie behandeln. 90 Prozent davon ambulant. Für die 10 Prozent der stationären Patienten wurde vom Hauptgebäude ein unterirdischer Verbindungstunnel gebaut. Auch er wurde möglichst freundlich ausgeleuchtet.

Landbote