2019-08-12 16:29

Freispruch nach vorgeworfener Vergewaltigung

Andelfingen

Das Bezirksgericht Andelfingen entlastet einen jungen Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung und spricht von einem «unglücklichen Sexualkontakt».

Mehrere Tage dauerte der Prozess in Andelfingen: Blick in den Hauptsaal des Bezirksgerichts.

Mehrere Tage dauerte der Prozess in Andelfingen: Blick in den Hauptsaal des Bezirksgerichts.

(Bild: Donato Caspari)

  • Mirko Plüss

Ein Dreiergremium des Bezirksgericht Andelfingen hat am Montagnachmittag im Fall einer vorgeworfenen Vergewaltigung entschieden. Der junge Mann, der seine Kollegin vor nunmehr zweieinhalb Jahren bei sich in der WG zum Sex gezwungen haben soll, wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung freigesprochen. Entgegen der Forderung seines Verteidigers erhält er aber keine Genugtuung. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Mann eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten gefordert.

Das Urteil wurde laut dem Gerichtspräsidenten einstimmig gefällt. Tatsächlich sei in der besagten Nacht im Dezember 2016 «die Stimmung gekippt», der Mann habe auf Sex gedrängt, die Frau habe eigentlich keine Lust gehabt. Dennoch sei das ganze im Nachhinein als «unglücklicher Sexualkontakt» zu taxieren. Es habe nur eine geringe, verbale Gegenwehr der Frau gegeben. Eine tatsächliche Gewaltanwendung des Mannes sei nicht nachweisbar, deshalb gehöre das ganze auch in den privaten Bereich und habe nicht die Grenze zum Strafrecht überschritten.

Am Vorabend war es einvernehmlich

In den zwei ersten Prozesstagen wurden zwei völlig unterschiedliche Versionen der besagten Nacht vorgetragen. Klar war nur, dass sich der Beschuldigte und die Privatklägerin am Vorabend das erste Mal näher gekommen waren, nachdem sie sich aus dem Kollegenkreis schon Jahre gekannt hatten. An diesem Vorabend kam es auch zu Sex, der von beiden Seiten als einvernehmlich beschrieben wurde.

Am Abend darauf sei der Geschlechtsverkehr ganz ähnlich abgelaufen, sagte der Beschuldigte aus und sprach von einem schönen, friedlichen Abend. Die Frau hingegen erzählte, sie habe seine Annäherungsversuche abwehren wollen und der Beschuldigte habe sie schliesslich vergewaltigt. Einzelne Hämatome, die von Gewalt zeugen, sollen später im Spital bestätigt worden sein. Allerdings wies die Frau bei dieser Untersuchung auch Verletzungen auf, die nicht von dieser Nacht stammen konnten.

«Beide glaubwürdig»

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger schossen sich bei ihren Plädoyers vergangene Woche auf Ungereimtheiten der jeweiligen Gegenseite ein. So schien sich der Mann in einem Whatsapp-Chat nach der besagten Nacht entschuldigt zu haben. Er bestritt jedoch, dass diese Chat-Nachricht das Eingeständnis einer Vergewaltigung gewesen sei. Die Frau wiederum widersprach sich offenbar in mehreren Polizeiverhören und musste bereits getätigte Aussagen zurückziehen.

Trotz den Widersprüchen seien beide Seiten grundsätzlich glaubwürdig, sagte der Gerichtspräsident. Sie hätten sich an jenem Abend im Bezug auf ihre Sexualität einfach auf «verschiedenen Ebenen» befunden und «andere Vorstellungen» gehabt.

Das Urteil kann an das Zürcher Obergericht weitergezogen werden.