2019-07-19 10:37

Der verschwundene Weltmeister: Hat ihn das Trikot gestört?

Der Eklat an der Tour de France lässt viele Fragen offen. Nun deuten Gerüchte an, dass Rohan Dennis einfach keine Lust mehr hatte.

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Was hat Rohan Dennis bewogen, die Tour de France überstürzt zu verlassen? Auf der 12. Etappe vom Donnerstag war der australische Zeitfahr-Weltmeister ausgestiegen. Ohne offensichtliche Probleme. Und das ausgerechnet am Tag vor dem Zeitfahren von Pau heute Freitag, zu dem er als Favorit gestartet wäre.

Nun fragt sich die Radsportszene: Was war da los mit dem 29-Jährigen? Fühlte er sich körperlich schlecht? Oder ist er sonst gekränkt? Dies zumindest deuten Gerüchte aus dem Umfeld des Fahrers an. So soll ihm das Renndress nicht gepasst haben, das ihm sein Team Bahrain-Merida für das Zeitfahren von heute Freitag zur Verfügung stellte. Eine Eurosport-Reporterin berichtet von einem «Streit mit dem Team über die Ausrüstung».

Der Fall wird dadurch nicht weniger mysteriös. Bahrain-Merida hatte nach dem Ausstieg getwittert, man sei auf der Suche nach dem Fahrer und melde sich wieder, wenn man mehr wisse. Noch vor dem Ende des Rennens kam Dennis im Ziel an, ging aber wortlos durchs Fahrerlager und verschwand bald darauf wieder.

Etwas später äusserte sich der Sportliche Leiter der Equipe, Gorazd Stangelj. Seine Antworten provozieren noch mehr Fragen. So erzählte der Slowene, er habe, nachdem er Dennis’ Rad in der Verpflegungszone stehen gesehen habe, telefonisch versucht, mit dem Fahrer Kontakt aufzunehmen. «Aber er wollte nicht mit mir sprechen.»

In der Nacht dann veröffentlichte Bahrain-Merida eine Medienmitteilung, in der erstmals Dennis selbst zu Wort kam. Der Australier liess ausrichten: «Ich bin sehr niedergeschlagen. Das Zeitfahren vom Freitag war ein grosses Ziel, für mich und das Team, aber in meiner gegenwärtigen Verfassung war es die richtige Entscheidung, sich zurückzuziehen.»

Das Statement beantwortete allerdings die wichtigsten Fragen nicht, im Gegenteil: Es warf abermals weitere auf. Zumal Stangelj, der sportliche Leiter, gesagt hatte, dass die Aufgabe keine physischen Gründe habe. Fragen über einen allfälligen Konflikt dagegen wich er aus, liess aber durchblicken, dass Dennis, der bis 2018 für BMC fuhr, sehr anspruchsvoll sei bezüglich Betreuung und Materialwünschen. «Er ist ein spezieller Typ – aber alle Champions sind so.»

Im Falle von Dennis könnte es sein, dass er an einer Weggabelung in seiner Karriere angelangt ist: Hat er die Tour aus freien Stücken verlassen, weil ihm die Lust vergangen ist, dürfte das Folgen haben für ihn. Dass Bahrain-Merida dies akzeptiert, scheint durchaus fraglich.

landbote.ch