2016-07-17 18:00

Ferien sind, wenn das Sommernachtsfest war

Zell

Zu Tausenden haben sich am Samstag die Tösstaler und Freunde aus der Region im Rikoner Tobelhof getroffen, um eine Nacht lang durchzufeiern. Das Sommernachtsfest läutete wie jedes Jahr die Sommerferien ein.

Friedlich und ohne Zwischenfälle haben am Samstag über 3000 Leute im Rikoner Tobelhof den Sommer gefeiert.

Friedlich und ohne Zwischenfälle haben am Samstag über 3000 Leute im Rikoner Tobelhof den Sommer gefeiert.

(Bild: Nathalie Guinand)

  • Melanie Kollbrunner

Übers Areal der Pfannenfabrik und raus aus dem Dorf in Richtung Tobelhof. In der Rechten ein Bier, in der Linken den Freund, die Freundin oder das Mobiltelefon, so lange das Netz noch funktioniert. Keine Wolke, die den Abendhimmel oder die Stimmung trüben würde. Es ist der letzte Samstag vor den grossen Ferien, die Nacht, in der im Tösstal der Sommer gefeiert wird.

3000 Besucher

Zum dreizehnten Mal stellen Peach Keller, Dani und Andi Bieri gemeinsam das Tösstaler Sommernachtsfest auf die Beine. Arealbesitzer, Landwirt Kurt Bieri von der Bieri Betriebsgemeinschat, hilft mit: «weil es einfach schön ist, viele fröhliche Menschen beisammen zu haben». Das sahen die rund 3000 Besucher gleich. Alles ist überdacht und wetterfest, aber das Sommergewitter bleibt für einmal aus. «Zehmal fand das Fest im Regen statt», sagt Bieri.

Dass es nicht regnet, das macht auch die Suche nach dem eignen in den hunderten von Autos auf der Wiese angenehmer, man würde bestimmt einsacken im Sumpf. Nicht alle sind zu Fuss oder im Shuttelbus gekommem. Vom Heimgang ist aber längst nicht die Rede: «Los geht es so richtig gegen Mitternacht. Und Schluss ist, ja wann eigentlich? Schluss ist halt, wenn ausgefeiert ist», sagt Manu (22) aus Illnau, die schon zum zweiten Mal hinter der Bieri Bar steht. Nebenan bei der Feuerwehr Zell ist schon mehr los. Shane (30) aus Effretikon nimmt einen Schluck von ihrem giftgrünen Getränk, blauer Vodka mit Orangensaft. Sie ist mit Freundin Martina (30) aus Hittnau da, die kommt jedes Jahr: «Ich bin hier hinten aufgewachsen. Es ist schön, alle wiederzusehen», sagt sie.

Rechts gemütlich, links wild

Schön finden es auch Ralph (34) und Larissa (26) aus Bauma, er will sie erfolglos am Schiessstand mit einer Trophäe beglücken. «Macht nichts, wenn du die Rose nicht triffst», sagt sie, «ich hab dich trotzdem gern. Warum kaufst du mir nicht einfach ein Bier? Eine lange Schlange bildet sich vor dem Momo-Stand zweier tibetischer Familien, die hier für bedürftige Menschen in Indien kochen – «seit vielen Jahren», wie Dawa (49) aus Rikon erzählt.

Hier, wo normalerweise Holzschnitzel entstehen, wird heute gefeiert: Links mit Bars und Rockmusik, rechts gemütlich auf Festbänken. Da werden Cervalats gegrillt und Bier gezapft. Nussgipfel in Servietten gewickelt und samt Kafi fertig über den Tresen gereicht. «Ein Prosit, ein Prohosit der Gemütlichkeit», singen die Schilcher, eine Schlagerband, den Gästen gefällt’s. Auch hier füllt sich’s erst gemächlich, frisch eingetroffen sind Claudia (54) und Rolf (66) aus Turbenthal, «man geht ja nicht um sieben aus,», sagt er. Es ist nun halb elf, der Mond leuchtet über dem feiernden Tösstal, bald werden schlanke Schönheiten an einer Stange tanzen, drüben, bei den jüngeren Leuten, der eine oder andere gesetztere Gast gesellt sich doch vom Schlagerzelt her dazu. Hitzige Rufe in Richtung Stange, Shots für die Gäste, die Temperaturen werden kühler, aber die Sommernacht ist aufgeheizt. Gefeiert wird bis in die Morgenstunden: Um halb sechs werden die letzten ihren Heimweg antreten.

Der Landbote